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→KUNDENBINDUNG
Kleine Geschenke
erhalten die Kundschaft
Expertenmeinung.
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Auch wenn es
viele Unternehmen nicht hören wollen: Kunden wollen keine
Beziehung – sie wollten nie eine und sie werden nie eine wollen.
Denn das Einzige, das wirklich zählt, ist Menschlichkeit, so
CRM-Guru John McKean im exklusiven Gespräch mit acquisa.
Von Sabine Roth
Expertenmeinung: Kleine Geschenke erhalten die Kundschaft Autor:
Sabine Roth Erschienen in: acquisa, Ausgabe 04/2003 Auch wenn es
viele Unternehmen nicht hören wollen: Kunden wollen keine
Beziehung – sie wollten nie eine und sie werden nie eine wollen.
Denn das Einzige, das wirklich zählt, ist Menschlichkeit, so
CRM-Guru John McKean im exklusiven Gespräch mit acquisa.
Sollten Sie – ungewöhnlicherweise – um zwei Uhr nachts mit Ihrem
Maybach eine Panne haben – kein Problem: Ihr Personal Liaison
Manager (PLM) ist rund um die Uhr für Sie da. Ein kurzer Anruf bei
ihm genügt, und er wird sich sofort um Sie und Ihren Wagen kümmern.
Bei Maybach ist der Kunde König – manchmal sogar im wahrsten Sinne
des Wortes. Den Fahrern einer solchen Luxuskarosse kann schon mal
passieren, dass ein Flugticket zu einem hochkarätigen Musik-Event
ins Haus flattert oder ein Ticket für das Formel-1-Rennen in
Monaco. »So eine Einladung erfolgt natürlich nicht regelmäßig«,
berichtet Leon Hustinx, Vertriebsleiter bei Maybach: »Schließlich
hat es keinen Sinn, den Kunden mit solchen Aufmerksamkeiten
zuzumüllen. Das würde die Wirkung verfehlen.« Aber der Grad
zwischen zu viel und zu wenig ist schmal. Schnell ist die Grenze
überschritten.
Zu viel bewirkt das Gegenteil beim Kunden

Für John McKean, CRM-Guru und Autor des Buches »Customers are
people . . . The human touch«, ist die hohe Kunst der Kundenpflege,
auf den Kunden zuzugehen, ihm das Gefühl zu geben, für ihn da zu
sein, aber dabei die Grenze zur Aufdringlichkeit nicht zu
überschreiten. Denn die Intimsphäre ist auch im Bereich der
Kundenpflege ein Tabu. Fühlt sich der Kunde belästigt, weil das
dritte Mailing in dieser Woche den Briefkasten verstopfte und der
persönliche Anruf des Unternehmens obendrein einfach zu
aufdringlich wirkte, so bewirkt die so genannte »Kundenpflege«
eher das Gegenteil: Der geplagte Kunde hat irgendwann genug und
sucht kurzerhand die Konkurrenz auf. Diese tut vielleicht etwas
weniger des Guten, lässt ihn aber dafür weitestgehend in Frieden.
Denn »eigentlich möchte der Kunde keine Nähe zum Unternehmen oder
dass es eventuell sogar in seine Privatsphäre eindringt«, so John
McKean. Für ihn ist das Einzige, was Kunden wirklich wollen,
Qualität und Service: »Die menschliche Note, den so genannten
»human touch« zu bewahren, ist die hohe Kunst im täglichen Umgang
mit den Kunden.« Immer noch legen viele der Unternehmen mehr Wert
darauf, wie man Produkte besser verkaufen kann, anstatt den Kunden
einfach besser zu behandeln, stellt er fest. Ein Fehler, denn
Untersuchungen haben ergeben, dass 70 Prozent aller
Kaufentscheidungen davon beeinflusst werden, wie Verkäufer mit
ihren Kunden umgehen, also ob sie freundlich und kompetent sind.
Service und Qualität stehen im Vordergrund. Nur zu etwa 30 Prozent
gibt dabei das Produkt den Ausschlag.
Das Unternehmen muss die Kunden verstehen
Menschen wollen, dass das Unternehmen sie versteht«, lautet
deshalb die These des Buchautors. Und »verstehen« hängt für McKean
mit den emotionalen Erwartungen des Kunden und dessen
Gedankenaustausch mit dem Unternehmen zusammen. Wie und warum
Kunden kaufen, fasst McKean deshalb mit drei Gründen zusammen –
Vertrauen, Anerkennung und Respekt:
- Sie wollen, dass der Verkäufer das Vertrauen herstellt, dass
genau diese Kaufentscheidung die richtige für sie ist.
- Kunden wollen Anerkennung erfahren.
- Und Kunden wollen, dass ihnen und ihren Bedürfnissen Respekt
entgegengebracht wird. »Kunden erinnern sich in erster Linie daran,
wie menschlich oder unmenschlich sie behandelt und ob sie
anerkannt und respektiert wurden. Diese Fragen geben den Ausschlag,
ob sie dem Unternehmen vertrauen oder nicht«, sagt McKean.
Aber gerade Respekt, Anerkennung und Vertrauen sind Zutaten, die
im CRM-Cocktail der Unternehmen oft fehlen. Diese Aufmerksamkeiten
kann keine Software leisten.
Leider hat in der Vergangenheit die Software eher dazu beigetragen,
die Kunden zu entseelen und als bloße Anhäufung von Daten zu
betrachten«, so McKean, denn die meisten Unternehmen designen die
Schnittstelle zum Kunden nach ihrem eigenen Vorteil und nicht nach
dem des Kunden. Informationen werden einfach nur gehortet und
gebunkert. Die Daten liegen in verschiedenen Abteilungen, der
Zugriff ist beschränkt und so hat der einzelne Mitarbeiter immer
nur ein bruchstückhaftes Bild vom Kunden. Wertvolle Informationen
sind zum wichtigen Zeitpunkt nicht zugänglich.
Das Buch zum Thema
John
Mc Kean beschreibt in seinem aktuellen Buch auf eindringliche
Weise, dass heute immer noch 70 Prozent aller Kaufentscheidungen
davon abhängen, wie gut sich der einzelne Kunde behandelt fühlt:
»Most importantly, the truth is, customers do not want what the
word `relationship´ implies – closeness, intimacy and the shared
privacy. Customers simply want to buy the product that best suits
them and to be treated as human beings in the process.
Mc Kean bietet eine umfassende Analyse und gibt
Handlungsanweisungen für Unternehmen, den »human touch« im
Tagesgeschäft zu realisieren.
John McKean: »Customers are people . . . the human touch«, John
Wiley & Sons, Chichester 2002, 352 Seiten, Preis 27,73 Euro (in
englischer Sprache)
Gerade in der Technologie sieht McKean deshalb eine große Gefahr,
denn sie ist auf der einen Seite zwar der Grundstein für Customer
Relationship Management, auf der anderen Seite aber auch häufig
dessen Niedergang. Denn durch die alleinige Fokussierung auf den
technologischen Aspekt von CRM wurde der Kundenkontakt häufig
schlichtweg unpersönlich.
Für McKean können Unternehmen CRM erst richtig einsetzen, wenn sie
die drei menschlichen Grundbedürfnisse Anerkennung, Respekt und
Vertrauen verstanden haben. Erst dann können die Kundenbedürfnisse
befriedigt werden. Dafür müssen Unternehmen gleichzeitig zum guten
Zuhörer und zum guten Kommunikator werden, so McKean. Aber immer
noch konzentrieren die meisten Unternehmen sich eher auf die Rolle,
die sie im Leben des Kunden spielen wollen, als einfach zuzuhören,
was der Verbraucher von ihnen möchte. Trotz Technik noch
Menschlichkeit im Umgang mit dem Kunden zu leben, ist die hohe
Kunst in der Welt des Customer Relationship Management.
Laut McKean macht der Kunde normalerweise keine große Sache daraus,
wo er sein Produkt kauft, dennoch sind ihm die kleinen
Aufmerksamkeiten wichtig, sei es nur ein »danke«, ein »bitte« oder
ein Lachen, das man ihm entgegenbringt. Der Preis ist schnell
gesenkt, aber der Unterschied in der Behandlung der Kunden lässt
sich nicht so einfach ersetzen. »Einfach gesagt, ist der human
touch die treibende Kraft hinter jedem erfolgreichen Geschäft«, so
McKean. Unternehmen müssen folgenden Satz gegenüber dem Kunden
beweisen: »Wir wissen, dass du eine reale Person bist und wir
kümmern uns wirklich um dich.
Auch die Mitarbeiter sind entscheidend
Rigoroses Prozessmanagement sowie eine straffe Führung sind
unerlässlich, um den human touch im Unternehmen in eine ständige
und verlässliche Disziplin umzusetzen, die auch definierbare und
messbare Ergebnisse liefert.
Die Prinzipien, sich um den Kunden und die Mitarbeiter zu kümmern
und sie zu respektieren, sollte dabei in dem täglichen
Geschäftsablauf integriert werden. Dabei gibt es vier Punkte, die
sich alle Unternehmen vor Augen halten sollten, wenn sie denn
Menschlichkeit in ihren Interaktionen mit dem Kunden leben wollen:
- Anerkennung, Respekt und Vertrauen als Basis schaffen und
menschlich kommunizieren
- Den human touch im Unternehmen verbreiten
- Den human touch als Prozess erkennen.
- Angestellte sollten wie Menschen behandelt werden.
Denn eines darf dabei nicht vergessen werden: auch Angestellte
haben die gleichen fundamentalen Bedürfnisse wie Kunden. Nur wenn
sie anerkannt und respektiert werden und Vertrauen in sich selbst
haben, können sie den Human touch vom Unternehmen an die Kunden
weitergeben.
Drei Aspekte auf dem Weg zu Menschlichkeit
In der Praxis ist es häufig jedoch so, dass die Unternehmen ihre
Mitarbeiter weder verstehen, noch sie richtig auf die tägliche
Arbeit vorbereiten. Drei kritische Punkte sollten dabei beachtet
werden, um Fehler von vornherein zu vermeiden:
- Selektion: Es sollten nur Mitarbeiter ausgewählt werden,
deren persönliches Wertesystem mit dem des Unternehmens konform
geht. Wenn Mitarbeiter und Unternehmen nicht harmonieren, wird der
Mitarbeiter weniger produktiv und effektiv arbeiten.
- Enabling: Die Mitarbeiter müssen die nötigen Tools besitzen,
um erfolgreich zu sein, und die Möglichkeit haben, die Tools zu
nutzen.
- Training: Das Training sollte die einzelnen Qualitäten
des Mitarbeiters weiterentwickeln. Am effektivsten ist es, wenn
die Stärkung des Selbstwertgefühls und des Enthusiasmus mindestens
25 Prozent der Trainingsaktivitäten einnehmen – denn das Verhalten
der Mitarbeiter wird in erster Linie durch Emotion, nicht durch
die bloße Anhäufung von Fakten gefördert.
Schließlich muss der PLM bei Maybach auch freundlich und
zuvorkommend bleiben, wenn der Wagen um 4 Uhr nachts liegen
geblieben ist. Das erfordert nicht nur einen langen Geduldsfaden
des Mitarbeiters, sondern auch eine gewisse Liebe zum Job. Und
diese kann keine Software ersetzen.
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